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Volk LS Rot: Wabe aus dem ersten Honigraum

Erste Durchsicht Bienenstand Gurten

Wetter: 27º C, sonnig

Der diesjährige Start in Richtung Sommer ist für die Bienen eine Herausforderung. Heute gab es mit viel Sonne und 27º C ausnahmsweise einen Ausreisser in die andere Richtung. Zeit für die längst fällige Durchsicht und Schwarmkontrolle am Bienenstand auf dem Gurten.

Der diesjährige, kalt, nasse Frühling macht den Imkern und den Bienen schwer zu schaffen. Gestern waren die Wiesen am Gurten noch gelb vor lauter Löwenzahn. Heute ist bereits aller verblüht. Die Rapsfelder stehen noch in voller Blüte, danach ist die Frühlingstracht dann wohl auch schon bald Geschichte.
Unsere Bienen hatten dieses Jahr wenig Chancen, die Frühlingsblütenpracht zu nutzen. Generell war es oft zu kalt, dass Nektar geflossen wäre. Viele Imker hatten ihre Honigräume bisher vergeblich aufgesetzt und das Wenige, das eingetragen wurde, fiel auch gleich der nächsten Kälteperiode zum Opfer.

Der heutige Tag liess es dieses Jahr das erste Mal zu, dass man eine genauer Durchsicht der Völker ohne schlechtes Gewissen machen konnte. Eine genaue Kontrolle der Völker auf Gesundheit und Zustand war längst überfällig. Es war auch beruhigend zu sehen, dass die Völker bei Eintreffen kurz nach Mittag mit starkem Trachtflug beschäftigt waren, denn nach so langen, wiederkehrenden Kälteperioden schwärmen Bienen gerne. An einer gestrigen Veranstaltung kamen mehrere Teilnehmer später, weil sie noch Schwärme einfangen mussten.

Allgemeine Beobachtungen

  • Starker Polleneintrag:
    Bedingt durch die kühle Witterung und das daraus bedingte, geringe Nektaraufkommen wurde viel Pollen eingelagert. Das «virtuelle Brutnest» enthält in allen Völkern relativ grosse Pollenflächen. Teilweise besitzen die Völker leider auch im Brutraum auf einzelnen Waben grössere Pollensammlungen. Der Pollen wurde allerdings (noch) nicht versiegelt. daher bleibt die Hoffnung, dass er doch verwertet wird. Ansonsten müssen die Waben später ersetzt werden. Dies könnte mit einem Sammelbrutableger geschehen, in dem die pollenhaltigen Brutwaben zu einem neuen Jungvolk gesammelt werden.
  • Brutraum tropft vor Nektar:
    Der heutige intensive Trachtflug führte dazu, dass die Zellen frisch geschlüpfter Bienen zur Zwischenlagerung des frisch eintreffenden Nektars genutzt werden. Er wird von den Stockbienen über Nacht in den Honigraum getragen.
  • Waben der Mini Plus Beuten besitzen auf allen Zargen Futterkränze.
  • Alle Völker nutzen den gereichten Futterteig noch, auch wenn der Verbrauch deutlich zurück gegangen ist.

Volk LS Rot

Volk LS Rot: Blick in den Brutraum mit den roten Thermoschieden.
Volk LS Rot: Blick in den Brutraum mit den roten Thermoschieden.
Volk LS Rot: Königin mit Jargang 2018
Volk LS Rot: Königin mit Jargang 2018

Das Volk LS Rot bleibt ein Phämomen. Es legte auch dieses Jahr eine top Entwicklung hin und ist eines der stärksten, wenn nicht das stärkste Volk am Stand. Das Volk hat nicht nur ein rotes Flugbrett, sondern auch eine rot gezeichnete Königin aus dem Jahr 2018! Sie führt ihr Volk immernoch ohne wenn und aber. Ihr Volk ist trotz der widrigen Witterung nicht in Schwarmstimmung.

Volk LS Rot: Butwabe mit einem Teil Drohnenbrut, da dieses Jahr keine Baurahmen gegeben wurden.
Volk LS Rot: Butwabe mit einem Teil Drohnenbrut, da dieses Jahr keine Baurahmen gegeben wurden.

Befund

  • Bienen sind friedlich und ruhig. Bearbeitung ohne Schleier möglich.
  • Brut in allen Stadien auf 7 Waben
  • Königin gesehen
  • Beide Honigräume sind gemeinsam nur noch knapp zu stemmen.
  • Erster Honigraum zu knapp einem Drittel verdeckelt.
  • Im zweiten Honigraum wurden die Mittelwände nicht ausgebaut. In die ausgebauten Waben wurde mit dem Eintragen begonnen.
  • 2 leere Spielnäpfchen entfernt.
Volk LS Rot: Wabe aus dem ersten Honigraum
Volk LS Rot: Wabe aus dem ersten Honigraum. Die Waben sind zu knapp einem Drittel verdeckelt.

Volk LS Blau

Volk LS Blau: Streckenweise zeigte der Schwächling einen ganz passablen Flugbetrieb.
Volk LS Blau: Streckenweise zeigte der Schwächling einen ganz passablen Flugbetrieb.

Der Schwächling am Stand, der aktuell erst einen Honigraum besitzt, kommt nach wie vor nicht in Gang. Das Volk zeigte für seine Grösse zeitweise einen doch recht ansehnlichen Flugbetrieb. Sein Honigraum besitzt dann doch ein überraschendes Gewicht.

Befund

  • Brut in allen Stadien auf vier Waben.
  • Erster Honigraum enthält überraschend viel Nektar.
  • Keine Weiselzellen oder Spielnäpfchen.

Volk LS Moosgrün

Volk LS Moosgrün: 7 gebrochene Weiselzellen.
Volk LS Moosgrün: 7 gebrochene Weiselzellen.

Schon letztes Jahr ist dieses Volk geschwärmt und dieses Jahr scheint dies erst recht der Plan zu sein. Wir fanden 7 Schwarmzellen im Brutraum, die gebrochen wurden.
Alles in allem zeigt sich das Volk durchschnittlich in der Stärke, besitzt schöne Brutwaben und hat Nektareintrag in beiden Honigräumen. Die seitlichen zwei Mittelwände im zweiten Honigraum wurden bisher kaum ausgebaut.
Die Schwarmstimmung muss weiterhin im Auge behalten werden.

Befund

  • Brut in allen Stadien auf 7 Brutwaben.
  • 7 Weiselzellen gebrochen
  • Beide Honigräume enthalten unverdeckelten Nektar.
Volk LS Moosgrün: Brutwabe
Volk LS Moosgrün: Brutwabe

Volk LS Violett

Volk LS Violett: 8 volständig bebrütete Waben im Brutraum
Volk LS Violett: 8 volständig bebrütete Waben im Brutraum. Thermoschied aus Platzgründen einseitig nicht mehr vorhanden.
Volk LS Violett: Königon
Volk LS Violett: Königon

Sehr erfreulich entwickelt sich das violette Volk. An Stärke übertrifft es sogar Volk LS Rot und verfügt über ein sehr schönes Brutnest. Doch auch hier fanden wir drei Weiselzellen. Das Volk hat die Tendenz vermehrt Pollen im Brutnest einzulagern. Auf einer geschlossen verdeckelten Brutwaben sollten diese Pollenlager nicht mehr existieren, da es keine Maden in der Nähe hat, die Futter benötigen. Der frische Nektar wird spätestens über Nacht in den Honigraum umgetragen. Dann stehen die Zellen für das Brutgeschäft wieder zur Verfügung.

Volk LS Violett: Auf der Brutwabe gut zu sehen ist der eingelagerte Pollen und die Zwischenlagerung des frischen Nektars.
Volk LS Violett: Auf der Brutwabe gut zu sehen ist der eingelagerte Pollen und die Zwischenlagerung des frischen Nektars.

Erfreuliches lässt sich auch über die Honigräume berichten: Die beiden Zargen lassen sich schon fast nicht mehr zusammen stemmen. Die Bienen der violetten Lanstroth Kiste sind auch die einzigen, die die Mittelwände im zweiten Honigraum schon fast vollständig ausgebaut haben. Nicht verwunderlich, da der zweite Honigraum mehr als die Hälfte gefüllt sind. Allerdings ist noch nichts verdeckelt.

Befund

  • Brut in allen Stadien vorhanden.
  • 8 vollständig bebrütete Waben.
  • 3 Weiselzellen gebrochen.
  • Königin gesichtet
  • Sehr schöner Wabenbau und regelmässige Brutnester.
  • Kleine Pollenlager auf verdeckelten Brutwaben.
  • Mittelwände im zweiten Honigraum fast vollständig ausgebaut.
  • Beide Honigräume zusammen kaum mehr zu stemmen.
  • Zweiter Honigraum mehr als halb voll, aber nicht verdeckelt.

Volk LS Lorenzo I

Volk LS Lorenzo I: Brut auf 7 Waben.
Volk LS Lorenzo I: Brut auf 7 Waben.

Dieses Volk hat in der grossen Kammer (Futterkammer) überwintert und hat sich bisher gut, aber eher durchschnittlich entwickelt.
Ein Grund könnte die Original aus den USA stammende Langstroth Beute sein, die über 5 mm weniger dicke Beutenwände verfügt. Selbst in den USA werden sie als zu dünn kritisiert. Für die hiesigen Breitengraden sind diese Beuten offensichtlich weniger gut geeignet. Die Beute war trotz Thermosisolation immer etwas feuchter als die anderen, obwohl das Volk vergleichbar stark war.

Auch hier mussten drei Weiselzellen gebrochen werden. Die Honigräume sind durchscnittlich schwer. Das Volk hat ungefähr den selben Stand wie Volk LS Moosgrün

Befund

Volk LS Hellblau

Es ist das zweite relativ schwache Volk am Stand, das auch erst über einen Honigraum verfügt. Die Schwäche zeigt sich nicht wie bei Volk LS Blau in einem sehr kleinen Brutnest und geringer Legeleistung. Sie liegt mehr in der Organisation der gesamten Beute. Das Brutnest dehnt sich zwar über 7 Brutwaben aus, die Bienen haben aber auf einzelnen (verdeckelten) Brutwaben Pollenflächen angelegt, die 1/8 bis fast 1/4 einer Wabenseite belegen. Alles in allem macht alles etwas einen schlecht organisierten, «chaotischen» Eindruck.
Was den Honigraum anbelangt, muss das Volk aber keinen Hunger leiden.

Befund

  • Brut auf 7 Waben, aber grosse Pollenbereiche, auch auf verdeckelten Waben.
  • Brutnest chaotisch
  • Neben einer top Brutwabe dann wieder eine Brutwabe mit 1/8 Pollen.
  • Erster Honigraum: etwas eingetragen
  • Das Volk hat einen etwas «kurzen Geduldsfaden» und wird recht schnelle stinkig.

Mini Plus Beuten MP «Sagex» und MP Marco III

MP «Sagex»: Königin
MP «Sagex»: Königin

Entgegen unseren Befürchtungen, dass sich die beiden Mini Plus Völker schon im Baum befinden, konnten wir bei keinem der beiden auch nur eine einzige Weiselzelle, oder auch nur ein Spielnäpfchen finden.

In «normalen» Jahren besitzen die Völker in den Mini Plus Beuten ein durchgehend geschlossenes Brutnest, das sich bis in die zweitoberste Zarge erstreckt und dort halbrund mit einem Futterkranz endet. Die oberste Zarge enthält meist auschliesslich Futter (Honig).

MP Marco III: Königin
MP Marco III: Königin

Dieses Jahr ziehen es die Bienen vor, auf allen Waben mit offener Brut dierekt einen Kranz mit Pollen und Futter anzulegen. Auch die Seitenwaben enthalten kaum Brut und nur Futter. Dies könnte der kalten Witterung geschuldet sein. Die Bienen stellen so einen viel kürzeren Weg zum Futter sicher.

Fazit

  • Insgesamt zeigt sich die Situation viel besser als wir bei einem so verhaltenen, kalten Frühlingsstart erwartet haben.
  • Wenn man bedenkt, dass viele befreundete Imker in leere Honigräume blicken und sich über knappe Futtervorräte beschweren, können wir mit unserer Situation doch glücklich sein. Unsere Völker haben für die kommenden kalt-nassen Tage mehr als genügend eigenes Futter. Ob dann auch Frühlingshonig für den Imker übrig bleibt, muss sich erst noch weisen.
  • Die Mini Plus Beuten sind in einem Zustand, wo man sie für die Königinnenzucht als fliegende Starter nutzen kann.
  • Die schwachen Völker LS Blau und LS Hellblau (und LS Gelb in Allmendingen) werden wohl für das Befüllen der Begattungseinheiten unserer noch zu ziehenden Königinnen verwendet.
  • Die Völker LS Moosgrün, LS Lorenz I und LS Violett müssen bald möglich wieder auf ihre Schwarmstimmung kontrolliert werden. Sollten nochmalig Weiselzellen angelegt werden, sind deutlichere Massnahmen als nur das Brechen der Weiselzellen nötig.
  • Bisher haben wir wenig Wert auf die Qualität der eingesetzten Königinnen gesetzt. Die meisten sind Standbegattungen und haben ihre Wurzeln in den beiden Apis mellifera Unterarten carnica und mellifera nigra und auch in der Buckfast Kreuzzüchtung. Durch eine gezieltere Vermehrung von Königinnen erhoffen wir uns einheitlichere Völker für das kommende Jahr. Aktuell sind die Unterschiede der Langstroth Völker sehr gross.

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