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Bienenschwarm und Muttervolk

Der Schwarm ist die natürliche Form der Vermehrung der Bienen. Ein Teil des Volkes fliegt mit der alten Königin aus und sucht sich ein neues Zuhause. Der zurückgebliebene Teil, das Muttervolk, zieht sich eine neue Königin und bildet bald ein neues Volk. 

Oft können erfahrene ImkerInnen die Schwarmstimmung schon von aussen erkennen: Häufig “lungern” die Sammlerinnen eines zuvor aktiven Volkes einige Tage lang auf den Flugbrett herum, es wirkt fast so, als würden sie einen Plan aushecken. Die Königin hört zu legen auf, es sind keine Stifte mehr zu finden. Stattdessen wird sie von den Stockbienen einem Fitnessprogramm unterzogen: Sie wird auf Diät gesetzt und im Stock herumgejagt, damit sie am Tag X flugbereit ist. Aber Obacht, dies gilt nicht für alle Bienen: Gerade Buckfastbienen stehen im Ruf, bis zum letzten Tag weiterzumachen, wie wenn nichts wäre.

Auch am Drohnenrahmen lässt sich manchmal eine beginnende Schwarmstimmung erkennen: Der Baurahmen wird kaum oder nur girlandenartig ausgebaut statt wie aus einem Guss. Spielnäpfchen können ebenfalls ein Hinweis sein, ganz sicher jedoch gepflegte Weiselzellen. Sind solche vorhanden, dann ist die Schwarmstimmung nur noch durch beherzte imkerliche Eingriffe zu verhindern, etwa indem ein Königinnenableger gemacht wird. Bei den Flachzargen gibt es auch die Möglichkeit, mittels Demarré die Schwarmstimmung zu brechen. Wenig effektiv ist dagegen das Brechen der Weiselzellen. Selbst wenn sämtliche Zellen gefunden werden, ist die Schwarmstimmung im Volk

Kurz vor dem Verdeckeln der Weiselzellen ist es dann soweit: Wie auf geheimes Kommando hin ziehen sich auf einmal alle Bienen in die Beute zurück, nur um einige Minuten urplötzlich gemeinsam auszuschwärmen. Ein Bienenschwarm ist ein echtes Naturspektakel, es ist sehr eindrücklich zu sehen, wie tausende Bienen fast gleichzeitig in die Luft gehen und abfliegen! Angst braucht man dabei keine zu haben, Schwarmbienen sind äusserst friedlich, selbst aus nächster Nähe wird die Beobachterin kaum einen Stick riskieren.

Sowohl der Entscheid zum Schwärmen wie auch die Wahl des Zuhauses wird nach demokratischen Prinzipien getroffen: Direkt dem Schwärmen lässt sich das Volk zunächst ganz in der Nähe der Beute nieder, meist in geringer Höhe. Anschliessend fliegen die erfahrensten Sammlerinnen aus und machen sich auf die Suche nach einem passenden neuen Plätzchen. Das wird nicht zufällig ausgewählt: Bienen bevorzugen relativ kleine Räume von etwa 30 bis 40 Litern. Sie können dies regelrecht vermessen! 
Wenn ein Ort überzeugt, dann kehren die Spurbienen zurück und tanzen eine genaue Wegbeschreibung direkt auf der Bienentraube. Bienen, die sich so von den Vorzügen der neuen Behausung haben überzeugen lassen, tanzen die Wegbeschreibung mit, bis sich eine Mehrheit findet. Und dann erhebt sich die ganze Traube auf einmal und fliegt zu dem gemeinsam bestimmten Platz.

Im Frühling schwärmende Bienen sind äusserst friedlich, man kann sie sogar streicheln ohne gestochen zu werden!
Der schwärmende Teil des Volkes “nimmt den Honig mit”: Die Bienen füllen ihren Honigmagen randvoll mit Futter. Sie haben so genug Reserven, um mehrere Tagen zu überleben und anschliessend sogar noch ihr neues Zuhause einzurichten, also Waben zu bauen. Auch ist das Schwärmen ein regelrechter Jungbrunnen. Schwärmende Bienen setzen ihre biologische Uhr zurück und reaktivieren Fähigkeiten, die sie als Jungbienen hatten. Auch die Lebensdauer der einzelnen Bienen verlängert sich.

Ein Schwarm im Frühling ist also eine erfreuliche Angelegenheit. Anders ist es im Hochsommer oder sogar Herbst: Wenn Bienen dann noch schwärmen, dann immer aus der Not heraus. Sie hungern oder sind zu stark von Milben belastet. Der Schwarm ist ein verzweifelter Versuch zu überleben. Diese Bienen sind auch deutlich aggressiver. Verständlich: Wer ist schon sanft, wenn der Hunger drückt?

Durch das Schwärmen kann ein Bienenvolk theoretisch ewig leben. Das Muttervolk wird im Überfluss zurückgelassen. Weil die Sammlerinnen weg sind und viele junge Stockbienen zurückbleiben, hat es in der Regel Futter und Pollenvorräte. Honig bringt in der Regel aber erst wieder im nächsten Jahr. Imker pflegen ihre Jungvölker gut, denn wenn mit dem Nachziehen der Königin alles klappt, dann wird dieses Volk im nächsten Jahr ein kräftiges Wirtschaftsvolk. 

Bienenscwarm aus Volk braun

Vorschwarm heisst der Bienenschwarm, mit dem die alte Königin auszieht. Nachschwärme sind kleinere Schwärmchen, die mit frisch geschlüpften Königinnen ausziehen. Diese fliegen meist viel weiter weg und lassen sich vorzugsweise auf hohen Bäumen nieder, wo sie kaum eingefangen werden können. Vorallem diese Schwärme suchen Imker zu verhindern, denn sie lassen ein Volk gerne “ausbluten” und sind schwer wieder einzufangen.

Ist ein Bienenvolk geschwärmt und «klebt» mit etwas Glück am nächsten Strauch, sind folgende Themen von Interesse: